Die Stiftung Kulturwerk Schlesien (SKWS) hat den Eichendorff-Literaturpreis 2026 an den Berliner Dichter und Essayisten Alexandru Bulucz verliehen. Die Auszeichnung wurde im Rahmen der 76. Wangener Gespräche in der Stadtbücherei im Kornhaus in Wangen im Allgäu überreicht.
Mit dem Preis würdigt die Stiftung einen Autor, dessen Werk auf eindrucksvolle Weise Fragen von Erinnerung, Herkunft, Sprache und Zugehörigkeit mit europäischen Erfahrungen verbindet.
Die Feierstunde wurde von der Juryvorsitzenden Stefanie Kemper eröffnet. In seinem Grußwort würdigte Oberbürgermeister Michael Lang die langjährige Verbundenheit der Stadt Wangen mit den Wangener Gesprächen und dem Eichendorff-Literaturpreis. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Amelie Naeßl-Doms (Gesang) und Rania Ejeilat (Klavier) von der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu. Unter anderem mit Robert Schumanns berühmter Eichendorff-Vertonung „Mondnacht“ verliehen sie der Preisverleihung einen festlichen und dem Namensgeber des Preises besonders angemessenen Rahmen. Die Geschäftsführerin der Stiftung Kulturwerk Schlesien, Lisa Haberkern, überreichte den Eichendorff-Literaturpreis 2026 an Alexandru Bulucz.
Die Laudatio der Berliner Literaturkritikerin, Publizistin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Insa Wilke. Unter dem Titel „Das Gedicht als unverzichtbarer Ort“ entfaltete sie eine vielschichtige, umsichtige und von Witz wie Tiefsinn durchzogene Hinführung zur Sprache und zum Werk des Preisträgers. Ausgehend von dessen Gedichten, familiären Erinnerungsräumen und poetischen Landschaften zeichnete sie das Bild eines Autors, der Herkunft, Erinnerung und Gegenwart auf besondere Weise miteinander verbindet. Dabei hob sie hervor:
„Die Würde von Schönheit und Hoffnung im Bewusstsein von Irrsal und Wirrsal [...] diese Würde prägt Urwirbels Antlitz – und die Gedichte von Alexandru Bulucz."
Mit Blick auf die Bedeutung konkreter Orte für Buluczs Dichtung verwies Wilke zudem auf das Gehöft seiner Großmutter als einen „unverzichtbaren Ort“ seines literarischen Kosmos’: „Stellen Sie sich [...] das Gehöft von Majka [der Großmutter Alexandru Buluczs] als unverzichtbaren Ort vor, als Paradies. [...] ‚Eine Art verschränktes Erinnern, wie die zum Gebet / gefaltete Hände‘."
Den inhaltlichen Höhepunkt der Feierstunde bildeten die Dankesrede und Lesung des Preisträgers. Alexandru Bulucz sprach über seine Beziehung zur Sprache, über die Bedeutung von Landschaft und Heimat für sein Schreiben sowie über die Rolle der Literatur angesichts gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Dabei verband er persönliche Erfahrungen mit grundsätzlichen Überlegungen zu Erinnerung, Herkunft, kultureller Vielfalt und Zugehörigkeit. Die Rezitation ausgewählter Gedichte verlieh seinen Ausführungen besondere Anschaulichkeit und vermittelte dem Publikum unmittelbar die Sprachkraft und Bildstärke seines Werks.
Die Verleihung des Eichendorff-Literaturpreises bildete den festlichen Abschluss der 76. Wangener Gespräche, die vom 25. bis 27. September 2026 stattfanden. Das Programm umfasste die Eröffnung der Ausstellung „Der Dichter der Menschlichkeit. Gerhart Hauptmann zum 80. Todestag“, eine Lesung von Hans Pleschinski aus seinem Roman „Wiesenstein“, Vorträge von Dr. Rafał Biskup und Dr. hab. Wolfgang Brylla, Führungen durch das Deutsche Eichendorff-Museum und das Gustav-Freytag-Museum sowie eine Lesung des Wangener Autors Sylvio J. Godon, musikalisch begleitet von Jan Kostka.
Der Eichendorff-Literaturpreis wird von der Stiftung Kulturwerk Schlesien vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, die sich in ihrem Werk mit Joseph von Eichendorff oder der europäischen Region Schlesien auseinandersetzen.