Festspiele Wangen setzen auf Liebe und Humor

Menschen vom Verein Festspiele Wangen und OB Michael Lang

Der Festspielverein hat gemeinsam mit dem Künstlerischen Leiter Peter Raffalt und OB Michael Lang das neue Programm vorgestellt.

Bei der Pressekonferenz im Rathaus gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Lang stellten der Vorstand des Vereins und der Künstlerische Leiter, Peter Raffalt, das Programm der elften Festspielsaison vor. Am Abend zeigt das Team „Kleiner Mann - was nun?“ nach dem Roman von Hans Fallada. Am Nachmittag dürfen sich Kinder und Erwachsene auf „Des Kaisers neue Kleider“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen freuen. 

Als eine „Perle der deutschsprachigen Literatur“ bezeichnete Peter Raffalt das Fallada-Stück, das in den 1920er Jahren spielt und von einem Mann erzählt, der arbeitslos geworden, versucht, seine kleine Familie über Wasser zu halten. „Denken Sie sich eine Glamourwelt mit Wohlstand und Partys, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht und in der Arbeit zu haben Glück bedeutet  – und über all dem hängt das Damoklesschwert auf dem steht Wirtschaftskrise und Finanzkrise“, schilderte Raffalt den großen Rahmen der Geschichte. Vielen Erzählsträngen könnte man in dem 500-Seiten-Werk von Hans Fallada folgen, doch zwei Stunden auf der Bühne zwingen dazu, sich zu konzentrieren. Und so wird die Kernaussage nicht der soziale Abstieg, sondern die Liebe sein, die die kleine Familie verbindet. „Damit kannst du durch den düstersten Sumpf waten“, sagte Raffalt, der in dem Stück auch die Regie übernimmt. Fans des Romans seien gewarnt, dass die Fokussierung auf das Wesentliche auch das Weglassen vieler Charaktere bedeutet und so manche „große“ Rolle hier eher klein daherkommen wird.

Kein Boulevard wie vergangenes Jahr bei „Die Niere“ bieten die Festspiele also an, sondern „ein poetisches, lebensbejahendes Stück mit viel Humor, das aber auch die Frage nahelegt, ob sich Geschichte doch wiederholen kann“, wie Raffalt sagt. 

Sehr witzig und hintergründig ist auch die Geschichte vom Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld vorgeblich neue Kleider aufschwatzen lässt.  Sie seien nur für jene sichtbar, die ihres Amtes würdig und nicht dumm seien. Das Spiel der Betrüger geht so lange gut, bis ein Kind die Wahrheit ausspricht, dass der Kaiser nämlich nackt ist. Berater dieser Art gebe es an vielen Ort - bei Banken, im Gesundheitswesen, in der Politik und auch noch anderswo, sagte Raffalt. Nun werden also die Festspiele das Thema aufs Korn nehmen, wobei der Regisseur sicher ist, dass die Wangener Fassung mindestens so gut, wenn nicht besser als das Original ist.

Im Team der Festspiele gibt es neben Peter Raffalt noch weitere bekannte Gesichter: Elke Gattinger sorgt für die Kostüme, Georg Brenner für die Musik. Und neben den beiden Laienschauspielern Frank-Peter Käse und Reinhard Harnoß und im Team mit vier Profis tritt ein weiterer Wahlwangener auf: Lukas Kientzler, der zum ersten Mal 2015 in „Der Vorname“ spielte hat jetzt sein viertes Engagement in Wangen. Er ist besonders glücklich darüber, weil er inzwischen „stolzer Papa“ und Wangener Bürger ist, wie er erzählt. Neu im Boot ist Bühnenbildner Florian Angerer und Assistentin Maren-Mechthild Meyer-Wünsch. Das Schauspielteam wird in Bälde komplett sein.

Oberbürgermeister Michael Lang sagte, er freue sich sehr, dass der Festspielverein mit Manfred Wolfrum, Christoph Morlok, Brigitte Dorn, Dorothee Schulz-Nowitzki und Amelie Rapp für den Sommer wieder Theater im Zunftwinkel anbieten will.  „Sie drehen ein großes Rad mit wenigen Händen“, sagte er und fügte an: „Die Menschen sind hungrig nach schönen Erlebnissen“, sagte er. 

Die beiden Vorstände Manfred Wolfrum und Christoph Morlok dankten OB Lang für das städtische Engagement und Peter Raffalt dafür, dass er sich wieder in den Dienst der Festspiele Wangen stellt. Der Verein hofft, dass auch in diesem Jahr die Sponsoren an seiner Seite stehen, denn ohne privates Sponsoring ist eine aus der Bürgerschaft heraus organisierte Veranstaltung wie die Festspiele Wangen nicht denkbar, wie Manfred Wolfrum und Christoph Morlok betonten. 

Wohnungen gesucht für die Akteure

Noch sucht der Verein private Wohnungsgeber für das Team, wohlwissend dass gerade so ein Ansinnen im Jahr erwartbar hoher Flüchtlingszahlen mit Schwierigkeiten verbunden ist. Probenbeginn ist am 7. Juni 2022. Gespielt wird ab Mittwoch, 27. Juli 2022. Der letzte imaginäre Vorhang fällt im Zunftwinkel am Sonntag, 21. August 2022. 

Kartenverkauf: Angesichts mehrerer, nicht gut einschätzbarer Ereignisse und Risiken wie Corona und der Ukraine-Krise, wird der Kartenverkauf auch in diesem Jahr erst spät im Juni oder Juli beginnen.