Festspiele Wangen: Witziges Spiel, anrührende Szenen, Slapstick-Momente

Vier Männer auf der Bühne.
Zwei Männer machen Blödsinn mit dem Rücken zueinander ein anderer sieht erstaunt zu.

Die Festspiel-Premiere von „Die Schmalspur-Gigolos“ ist am Mittwochabend, 30. Juli 2025, vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Das Wetter mit Regen und vergleichsweise frostigen Temperaturen zwang den Verein dazu, die Veranstaltung in die Stadthalle zu verlegen. Dort werden auch die weiteren Aufführungen dieser Woche stattfinden.

Bevor die Bühne dem Spiel gehörte, begrüßte die zweite Vorsitzende des Festspiel-Vereins, Diana Leist-Keller, alle Anwesenden und insbesondere die Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft. Sie dankte allen, die die Festspiele ermöglichen – Land Baden-Württemberg, Stadt Wangen, Sponsoren und Spender – egal in welcher Höhe. Zum 14. Mal eröffnete sie damit die Festspiele Wangen und übergab das Wort an Oberbürgermeister Michael Lang. Er konnte selbst dem Wetter noch etwas abgewinnen, indem er sagte, man könne so die Festspiele gleich zweimal erleben – einmal drinnen und einmal draußen.  Während er noch seinen Dank an die anwesende Gründerin der Festspiele Wangen, Sabine Lorenz, und alle anderen Ermöglicher richtete, begann hinter ihm „Kuddel“ damit, die Kneipenszenerie für sich einzurichten. Und dann ging’s los: Das bekannte, neuntönige Thema aus ZZ Top’s „Sharp Dressed Man“ röhrte durch die Halle und setzte den Ton für die miefig-piefige Eckkneipe von Kuddel. 

Sie bietet Bier, aber keinen Fernseher für die Übertragung von Fußballspielen, wie der arbeitslose Thomas (Benjamin Platz) bemängelt. Nein, sie biete den Austausch mit Freunden, benennt Kuddel (Chris Urwyler) das Konzept. Doch dann taucht der laute und in seinen Bewegungen dramatisch ausladende Stefan (Florian Schmidt-Gahlen) auf und erläutert dem völlig verdadderten Thomas seine Idee für ein einträgliches Leben: Thomas soll sich von einem Bekannten namens Rico (Dennis Wilkesmann) zum Callboy ausbilden lassen. Er würde die Kontakte herstellen und mehr als die Hälfte der jeweils 500 Euro als Provision und für Ausgaben einbehalten. Die Musik aus dem Off (Technik: Benjamin Leist) sorgt für den passenden Unterton – „I work all night, I work all day, to pay the bills I have to pay – ain’t it sad“ aus Money, Money, Money, von ABBA. 

Man sieht’s dem armen Kerl an, welche Schmerzen er mit der Vorstellung hat. Und all diese Möglichkeiten: Was mache ich, wenn sie hässlich ist? Was mache ich, wenn sie alt ist? Was mache ich, wenn sich bei mir deshalb nichts regt? Das Publikum ist begeistert von dem, was sich im Kopfkino alles abspielt… Dabei wird der Profi unter den Callboys fast melancholisch, als er seinem Schüler erklärt, die Frauen wollten Nähe, Aufmerksamkeit und das Gefühl in diesem Moment der wichtigste Mensch zu sein. 

Es kommt, wie es kommen muss: Das erste Date ist ein Reinfall, denn die Dame war eine – damals ziemlich unansehnliche - Klassenkameradin des Callboy-Newcomers und noch dazu Tochter der Französischlehrerin. Das Ganze endet im Fiasko. „Es war die Hölle“, berichtet Thomas sehr glaubhaft. Rico nimmt sich seiner an und studiert mit ihm ein, wie er am effektvollsten mit einer Frau dienstlich anbandelt. Der schnieke Rico im fast weißen Anzug nimmt mehrere Anläufe mit „Schau ihr in die Augen…“ 

Nach 100 Dates, die ein ordentliches Sümmchen in die vormals leere Kasse gespült haben, kommen Rico und Thomas feiernd in Kuddels Kneipe und singen beschwingt „Sexbomb, sexbomb, I’m a sexbomb“ von Tom Jones. Zuvor hatte der verwitwete, stets Käppi tragende (Kostümbild Diana Leist-Keller) und an das TV-Ekel Alfred erinnernde Kuddel noch darüber räsoniert, dass dieses „Geschäft“ in seiner Kneipe ja gar nicht zugelassen wäre und er es deshalb eigentlich der Polizei melden müsste.  Doch plötzlich gibt es hier den Hugo zu trinken, den Rico anfangs vergeblich bestellt hatte – und so beginnt eine Veränderung um sich zu greifen, die wir hier ganz bewusst offen lassen. Am Ende geht es um Fragen wie: Heiraten oder nicht? Männlein und … ? Das Leben genießen? In einer Beziehung alles gut machen miteinander?

Am Ende ein Happyend? Wir wissen es nicht ganz genau. Aber, was wir wissen ist: Das Stück aus der Feder von Frank Piotraschke und gespielt nach der Regie von Petra Wintersteller ist einerseits voller Komik und hat viele Slapstick-Momente, andererseits klingen immer wieder Themen an, die die Menschlichkeit und das Herz berühren. Es geht um Freundschaft, Liebe, Nähe und wie wir Menschen wahrnehmen. Der ganze Subtext könnte sich beim zweiten Mal sehen noch mehr in den Vordergrund spielen. Also könnte OB Lang Recht behalten mit seiner Aussage, dass es sich lohne, die Festspiele zweimal zu erleben.

Im Anschluss wurde der Erfolg gefeiert – zuerst auf der Bühne, wo alle anwesenden Akteure gefeiert wurden – neben den Schauspielern und der Regisseurin auch die Kostümbildnerin, die Regieassistentin Johanna Huisbauer, die Produktionsleiterin Amelie Rapp sowie die Helfer Erwin Hecker und Marvin Nieß – dann im Foyer der Stadthalle.

Karten gibt es unter festspiele-wangen.de