Einen Stammtisch für jung verwitwete Mütter und Väter gründen Kornelia Fentzl und Gerhard Seidler. Dabei handelt es sich weder um eine Beratung noch um eine Trauerbegleitung, Ziel ist es, einen Treffpunkt zu schaffen – für Gespräche, den Austausch und vielleicht auch für den Start gemeinsamer Aktivitäten wie zum Beispiel Ausflüge oder Museumsbesuche.
Kornelia Fentzl und Gerhard Seidler haben vor Jahren selbst die Erfahrung gemacht, dass es für Mütter und Väter, die dieser Schicksalsschlag in vergleichsweise jungen Jahren trifft, sehr schwierig ist ein passendes Angebot zu finden. Kornelia Fentzl fuhr irgendwann von Wangen nach Ravensburg und stellte dort fest: „Es sind soooo viele Menschen, die dasselbe Schicksal haben wie ich“, sagt sie. Denn Menschen, die ihren Partner oder ihre Partnerin durch Tod verlieren, haben andere Themen als Personen nach einer Trennung. „Das Schöne ist: Du musst nichts erklären. Jeder kann nachempfinden wie es dem anderen geht“, sagt Kornelia Fentzl.
Als ihr Mann nach neunjähriger Krankheit starb, war sie 49 Jahre alt und hatte zwei Söhne im Alter von 22 und 19 Jahren. „Der Jüngere schrieb sein Abitur in der Woche, als sein Vater starb“, sagt sie. Gerhard Seidler traf es mit 46 Jahren. Mit seiner Frau hatte er vier Kinder – das jüngste war zehn Jahre alt, der älteste Sohn gerade 16. Während der Krankheit seiner Frau kam an vier Tagen der Sozialdienst und unterstützte die Familie, den fünften Tag organisierte er privat. Doch nach dem Tod brach der Sozialdienst weg, womit er vor der schwierigen Frage stand, wie es für ihn und die Kinder weitergehen konnte.
Gerhard Seidler kennt die Themen nur zu genau, die da plötzlich vor einem stehen: „Wir hatten ein Haus gekauft, meine Frau hatte gerade wieder angefangen zu arbeiten. Zu den finanziellen Sorgen kam die Frage, wie die Kinderbetreuung neben einem Vollzeitjob organisiert werden konnte. Für meine Trauer hatte ich eigentlich nur dann Zeit, wenn ich auf meiner gut 30-minütigen Fahrt zur und von der Arbeit war. Die Fahrzeit war meine Trauerzeit“, sagt er im Rückblick.
2007 wurde er auf den Verwitweten-Stammtisch in Stuttgart aufmerksam. „Ich musste mich oft überwinden, am Abend noch einmal loszufahren, doch am Ende war ich jedes Mal froh, dass ich dort war“, erzählt er. Und es blieb nicht bei dem Stammtisch in Stuttgart: Mehrere Jahre fuhr er – bis es ihm zeitlich zu viel wurde – nach Karlsruhe zu einem ähnlichen Angebot. Neun Jahre leitete er eine Trauergruppe in Sindelfingen. Seit der Gründer der „Wiwis“ in Ravensburg Kontakt mit dem Stammtisch Stuttgart aufgenommen hatte, fährt er auch dorthin und unterstützt die Gruppe.
Ähnliche Erfahrungen hat Kornelia Fentzl in Ravensburg gemacht. „Es geht oft gar nicht um die Trauer. Man sitzt einfach da, erzählt oder tauscht sich aus. Oft kann man auch mal einen Tipp einholen, indem man fragt, wie andere mit dem einen oder anderen Thema umgehen“, erzählt sie. Der Ravensburger Stammtisch „Wiwis“ wird allerdings eher von älteren Verwitweten besucht. Sie sei dort, als sie 2022 dazustieß, eine der wenigen Jüngeren gewesen.
Nun also soll es in Wangen einen Stammtisch geben – einmal im Monat – für jüngere Verwitwete bis 55 Jahre, die Kinder haben. Das erste Treffen ist für Samstag, 29. November 2025, um 19.30 Uhr geplant. Auf dem Flyer steht unter dem Ziel: „Zusammensein in unbeschwerter Atmosphäre, miteinander reden, weinen oder lachen – und so wieder am Leben teilnehmen.“
Oberbürgermeister Michael Lang begrüßt die Initiative. „Ich freue mich, dass Betroffene sich des Themas annehmen und aus ihrer Erfahrung heraus einen solchen Austausch ermöglichen.“
Anmeldung: Wer dabei sein möchte, meldet sich bitte bis 26. November 2025 an unter der E-Mail-Adresse: verwitwet-in-wangen@web.de. Dann gibt es weitere Infos.
Termine: Die weiteren Termine sind bereits festgelegt – immer am Samstagabend nach dem letzten Freitag im Monat: 31. Januar 2026, 28. Februar 2026, 28. März 2026, 25. April 2026, 30. Mai 2026, 27. Juni 2026, 1. August 2026, 29. August 2026, 26. September 2026, 31. Oktober 2026 und 28. November 2026.