Neun Mitfahrbänkle ermöglichen das Fortkommen, wenn kein Bus kommt

Eine Gruppe von Menschen steht an einem neuen Mitfahrbank-Schild in einem ländlichen Gebiet. Im Hintergrund sieht man ein rustikales Gebäude und eine Straße. Die Teilnehmer scheinen an einer Feier oder Einweihung teilzunehmen, einige lachen und posieren für ein Foto.

Jetzt dürfen die Mitfahrbänkle auch offiziell genutzt werden. Die Übergabe wurde mit Vertretern der beteiligten Orte und der Regionalentwicklung Württembergisches Allgäu sowie Ortschaftsräten aus Karsee und Leupolz begangen. Sie alle hoffen, dass das neue Angebot auch rege angenommen wird.

Ein Mann steht vor einem Schilderbaum, der in verschiedene Richtungen zeigt. Die Schilder weisen auf die Orte Karsee, Herfatz, Wangen und Voro hin. Der Mann zeigt mit dem Finger auf das Schild mit der Aufschrift "Mitfahrbänke". Im Hintergrund sind Bäume und eine grüne Wiese zu sehen.

Die große Freude über das gelungene Projekt ist Bruno Leichte, Ortschaftsrat in Leupolz, anzusehen. Das Bild entstand beim Museumsfest.

Es ist der Autostopp der neuen Art und ein Regionalprojekt erster Güte: In Karsee, Leupolz, Herfatz, Wangen, Vogt und Kißlegg stehen insgesamt neun Mitfahrbänkle. Geboren wurde die Idee in Karsee, gemeinsam mit Leupolz gab es einen Arbeitskreis. Dann wurde die Stadt Wangen mit dem Mobilitäts- und Breitbandbeauftragten Frank Anders ins Boot geholt. Von Bürgermeister Peter Smigoc aus Vogt kam die Finanzierungsidee. Zum Schluss wurde die Gemeinde Kißlegg angesprochen, und umgesetzt wurden die Mitfahrbänkle schließlich mit Mitteln des Regionalbudgets der Regionalentwicklung Württembergisches Allgäu in Kißlegg sowie entsprechenden Anteilen der beteiligten Gemeinden. 

Die Idee ist: Wenn kein Bus kommt, holt man an dem Anzeiger neben dem Bänkle die Tafel mit dem gewünschten Ziel heraus und setzt sich hin. Im besten Fall passiert dann das, was Leupolz‘ Ortsvorsteher Josef Müller von einem bekannten Einwohner seines Dorfes erzählte. Der schickte ihm nämlich kürzlich ein Foto mit der Unterschrift „Selbstversuch“, eine Minute später schrieb er „bin schon weg“ und abends nach 18 Uhr meldete ihn seine Frau „als immer noch nicht zurück“. Ob’s immer so schnell klappt, ist unbekannt. Sicher ist aber, dass sich in den Orten schon viele Menschen bereit erklärt haben, jemanden zusteigen zu lassen, wenn die Mitfahrbank besetzt ist. 
Zur offiziellen Übergabe waren neben den Vertretern der beteiligten Orte auch Ortschaftsräte aus Karsee und Leupolz sowie Bernd Kaufmann von der Regionalentwicklung Württembergisches Allgäu gekommen. Sie alle waren sich einig, dass die Umsetzung der Idee durch die Förderung aus dem Regionalbudget erheblich erleichtert und beschleunigt wurde. Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher lobte das Programm, das aus Mitteln des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum gespeist wird, denn ohne große Bürokratie würden damit Dinge möglich, die den Bürgerinnen und Bürgern direkt zugutekommen. Hier habe jemand eine Idee, man rede darüber und dann gehe es in die Umsetzung. Die Stärke des Projekts liege darin, dass es Menschen, die man kennt, in die Hand genommen haben, sagte er. Das Echo in Kißlegg sei jedenfalls sehr positiv. 

Die Mitfahrbänkle seien auch ein Beweis dafür, dass mit dem Regionalbudget für die Menschen im Alltag ein Mehrwert entstehe und mit dem Geld verantwortungsvoll umgegangen werde. Damit verband er auch die Hoffnung, dass das Land an dem Programm künftig festhalten werde.

Karsees Ortsvorsteher Christoph Bahr dankte allen Beteiligten, dass sie die Idee so offen aufgenommen haben. Und auch er betonte, dass es ohne Förderung nicht geklappt hätte. Jetzt sei es die Aufgabe, die Mitfahrbänkle bei den Menschen im Kopf zu verfestigen und immer wieder darüber zu sprechen. Künftig wird eine Plakette des Fördergebers den Anzeiger des Mitfahrbänkles beim Kiene Stadel in Leupolz zieren. 

Die Mitfahrbänkle stehen an folgenden Orten: 
Wangen: Am Alten Feuerwehrhaus (Aumühleweg) und am Kreisverkehr beim Ärztehaus (Siemensstraße). 
Leupolz: Beim Kiene Stadel (Museum) und am Parkplatz am Ortsausgang Richtung Kißlegg.
Karsee: An den Bushaltestellen Pfarrstadel und Vogter Straße.
Herfatz: An der Bushaltestelle.
Vogt: Am Kreisverkehr.
Kißlegg: Am Ortsausgang Richtung Leupolz und an der Kreuzung Säntisweg/Franz-Erler-Straße. 

Regeln gibt es auch:
Freiwilligkeit: Das System basiert auf Freiwilligkeit. Niemand muss jemanden mitnehmen und niemand muss einsteigen. Überhaupt: Wenn man sich nicht sicher fühlt, soll man nicht einsteigen und auch niemanden mitnehmen. Aufs Bauchgefühl achten, heißt die Devise.
Kinder und Jugendliche: Jugendliche sollten das Angebot erst ab 16 Jahren nutzen. Autofahrer werden ausdrücklich gebeten, keine jüngeren Kinder mitzunehmen.
Schutz: Bei einem Unfall ist der oder die Mitfahrende über die Haftpflichtversicherung des Fahrerzeugs abgesichert. Die Nutzung des Bänkle geschieht auf eigene Gefahr.