Die Sanierung der Sattelkapelle St. Nikolaus südlich von Wangen geht voran. Die Arbeiten am Dach neigen sich dem Ende zu. Zuvor waren faule Holzbalken am Dachstuhl ausgebaut und durch gesunde Balken ersetzt worden. Der Altstadt- und Museumsverein hat sich die Sanierung der Kapelle zur Aufgabe gemacht, die einst neben dem Leprosenhaus gebaut wurde. Er darf sich für seine Mühen auch dadurch belohnt sehen, als nun die Denkmalstiftung Baden-Württemberg einen Scheck von 40 000 Euro übermittelte. Die Mittel stammen aus Erlösen der „Glücksspirale“, einem Unternehmen der Toto-Lotto GmbH.
Überbringer waren Erich Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, und Michael Braunger von der Lotto BW-Regionaldirektion Süd-Ost. Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg erläuterte die Kriterien, die für die Förderung solcher Projekte durch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg: Denkmäler müssen eine gewissen Qualität aufweisen. Bürgerschaftliches Engagement muss eine Sanierung unterstützen und solche Gebäude brauchen eine Nutzung.
Die Sattelkapelle dürfte alle drei Kriterien erfüllen, denn sie stammt aus dem15. Jahrhundert, worauf unter anderem ein flaches Dach unter der barocken Decke hinweist. Auch die Reste von Fresken werden auf das Spätmittelalter datiert.
„Der Altstadt- und Museumsverein Wangen kümmert sich höchst engagiert um diese Kapelle“, sagte Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags vor Ort. „Er hat bereits zahlreiche Spenden gesammelt und sollte in seinem Bemühen, diese Sanierung zu finanzieren, unbedingt unterstützt werden.“ Nach seinen Worten unterstützt die „Glücksspirale“ die Stiftung jährlich mit einer Million Euro, ohne die viele Projekte nicht hätten gefördert werden können.
Die Nikolauskapelle ist ein verputzter Steinbau mit ovalen Fenstern und einem Satteldach samt Dachreiter. Ihr heutiges Erscheinungsbild stammt größtenteils aus einem barocken Umbau im 18. Jahrhundert. Lange Zeit diente die Kapelle Angehörigen und Freunden von Kranken als Wallfahrtsort und Hoffnungsstätte.
Eindringende Feuchtigkeit hat vor allem Teile des Dachgebälks in Mitleidenschaft gezogen. Faulende und schadhafte Stellen wurden von Lena und Andreas Grünwald von Zimmerer Duett ersetzt. Danach wird auch die Raumschale mit ihrem Putz renoviert, und auch die hölzernen Ausstattungsgegenstände – etwa die Bänke und der Altar – erhalten eine Überarbeitung vom Schreiner. Die Handwerker beseitigen auch Fehler, die vor 40 Jahren bei der letzten Sanierung des Gebäudes gemacht wurden, wie Theo Keller, Vorsitzender des AMV anmerkte.
Marion Einhauser, Vorstand für Finanzen beim AMV, dankte für die Spende, weil dadurch nun auch wieder das Weitermachen mit der Sanierung von Altar und Bänken und die Schädlingsbekämpfung möglich sei. Die Unterstützung der Denkmalstiftung sei sehr wichtig, wie sie sagte. Sie berichtete außerdem von zwölf Helfern und einer Firma, die sich nach einem Aufruf in der Schwäbischen Zeitung gemeldet hätten und nun bei den weiteren Arbeiten mit anpacken wollen. Sie dankte auch Ursula Rückgauer, die als Kreisbeauftragte für Denkmalpflege im Landkreis Ravensburg den AMV und die Sattelkapelle unter ihre Fittiche nahm.
Oberbürgermeister Michael Lang dankte Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg für das Engagement der Denkmalstiftung, Michael Braunger von der der Lotto BW-Regionaldirektion Süd-Ost, bei Ursula Rückgauer, Kreisbeauftragte für Denkmalpflege im Landkreis Ravensburg, und dem AMV für ihr gemeinsames Engagement. „Durch den Einsatz des AMV wird die Sattelkapelle vor dem Verfall bewahrt“, sagte er. Eine Stadt alleine sei nicht in der Lage, so ein Denkmal zu retten. „Wenn aber ein Verein wirbt, machen viele mit“, sagte er.
Infos:
Seit ihrer Gründung 1985 hat die Denkmalstiftung Baden-Württemberg annähernd 1.750 Vorhaben mit über 71 Millionen Euro gefördert, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten, heißt es in der Pressemitteilung der Denkmalstiftung. Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich war dies, weil sie neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch erhebliche Mittel aus der Lotterie Glücksspirale erhält. Für die Förderung und die Öffentlichkeitsarbeit zum Denkmalschutz bleibt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg aber mehr denn je auf großzügige Spenden angewiesen.
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren. 29 Projekte hat die Stiftung bürgerlichen Rechts in diesem Jahr unterstützt, wie es heißt.
Mit den Erträgen aus der Lotterie Glücksspirale werden in Baden-Württemberg Projekte aus den Bereichen Sport, Soziales, Natur- und Umweltschutz sowie dem Denkmalschutz unterstützt. Davon profitieren unter anderem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Sie erhielten 2024 zusammen rund drei Millionen Euro aus der Glücksspirale für ihre Arbeit.