Der Dorfplatz im Neuravensburger Ortsteil Schwarzenbach ist am Freitagabend dem langjährigen Dirigenten des Musikvereins Schwarzenbach, Jürgen Gauß, gewidmet worden. Die Tafel, die seinen Namen trägt, blickt auf den Dorfplatz und das Dorfgemeinschaftshaus, die ohne ihn vermutlich nicht - jedenfalls nicht so, entstanden wären.
Diese Botschaft zog sich durch die Ansprachen von Ortsvorstehern Dr. Hermann Schad, Vorstand Klaus Hinderhofer und dem früheren Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Paul Locherer aus Amtzell, wo der Verstorbene Kämmerer war.
„Durch alles, was wir heute Abend Revue passieren lassen, zieht sich ein roter Faden: Jürgen Gauß“, mit diesen Worten begann Hermann Schad seine Würdigung, die zeigte, dass der im September 2022 im Alter von 54 Jahren plötzlich verstorbene Orchesterleiter nicht nur den Verein, sondern die gesamte Dorfgemeinschaft durch sein Wirken geprägt hat. Schon im ersten Jahr seines Dirigats habe er den Wunsch größeren Proberaum geäußert. Acht Jahre später, beim Musikfest zum 100-jährigen Bestehen 2010, versprach Oberbürgermeister Michael Lang, dem Verein einen größeren Raum, womit der Startschuss für die weiteren Planungen gegeben war. „Jürgen Gauß war der maßgebliche Ideengeber“, sagte Hermann Schad. Überzeugend für Ortschafts- und Gemeinderat war auch der Einsatz des gesamten Vereins mit Eigenleistungen von 42 000 Euro.
Kaum stand das DGH samt Vordach ging es an die Planungen für den Dorfplatz und wieder war der Schwarzenbacher Dirigent Ideengeber. Der damalige Ortsvorsteher Horst Büssenschütt und der Ortschaftsrat unterstützten die Planungen. Welch‘ gelungene Einheit geschaffen worden war, zeigte sich 2015, als zur Feier von 1200 Jahre Schwarzenbach zwei, wie Hermann Schad sagte, „großartige Marivas-Aufführungen“ samt eines Festes gefeiert wurden.
Spätestens mit der Fertigstellung des Brunnens, einem LEADER-Projekt, wurde der Dorfplatz ab 2022 auch Treffpunkt, der schon zuvor fürs Narrenbaum-, und Maibaumstellen, aber auch für das Sommerkino und den Adventsmarkt genutzt wurde. Die Veranstaltung zur Fertigstellung auch dieses Projektes war die letzte, die Jürgen Gauß erlebte. „Uns bleiben der Respekt, die Erinnerung an und die Dankbarkeit für einen großen Menschen und Musiker“, sagte Hermann Schad. Die Enthüllung der Namenstafel übernahm Jürgen Gauß‘ Tochter Theresa. Eine Tafel zur Erklärung, wer Jürgen Gauß war, wurde von Michael Schlingmann vom Burg- und Heimatverein erstellt.
Vorstand Klaus Hinderhofer machte deutlich, dass der vormalige Dirigent noch weit mehr als der „Visionär und Ideengeber für die heute so viel geschätzten Örtlichkeiten“ war. „Sein Engagement kombiniert mit seinem Wissen und Netzwerk in der kommunalen Verwaltung, haben die Visionen am Ende wahr werden lassen“, sagte er. Mit der modernen Version der Lifaßsäule, die ebenfalls aus „seiner Ideenkiste“ stammte, wurde auch dem Kulturausschuss „Schwarzenbacher Litfaßkult“ der Namen gegeben. Mit bewegten Worten schloss Klaus Hinderhofer und versprach, dass der Musikverein fortführen wolle, was Jürgen Gauß begonnen und vorgelebt hat.
Paul Locherer würdigte ihn zunächst als Kämmerer in seiner Gemeinde. „Amtzell durfte sich so gut entwickeln, weil es die Handschrift von Jürgen Gauß getragen hat“, sagte er. Bezogen auf die Dorfmitte in Schwarzenbach erinnerte er an die Landesförderung, die zweimal kam (78 000 Euro und 88 000 Euro), für die jedoch vor allem beim ersten Mal in Stuttgart heftig gemeinsam geworben werden musste. Er bescheinigte Jürgen Gauß „die Liebe zu seiner Heimat, den Menschen und der Musikkapelle sowie für die Kulturarbeit.“ Dem heutigen Dirigenten Berthold Detzel sowie den Vorständen Klaus Hinderhofer und Matthias Rall, dankte er für ihr Weitermachen. Die Musikkapelle spielte auf dem Platz bis weit in den Abend hinein.