Rund um die Grundschulen, die Gemeinschaftsschule (GMS), die Martinstorschule und die Johann-Andreas-Rauch-Realschule gibt es ein Betreuungs- und Essensangebot, das den Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern soll. Insgesamt 50 Personen sind im Einsatz, um die Kinder in der Verlässlichen Grundschule morgens in Empfang zu nehmen, sie auch nach dem Ende der Unterrichtszeit zu betreuen und mit Mahlzeiten zu versorgen.
„Aktuell kommen zehn bis 130 Kinder in die Betreuung in den verschiedenen Grundschulen“, sagt Silvia Falch, die als Koordinatorin bei der Stadt Wangen den Bereich der Verlässlichen Grundschule verwaltet. „Es hängt von der Größe der Schule ab, wie viele Kinder das Angebot nutzen.“ Auch was das warme Mittagessen angeht, liegt die Frequenz bei zehn bis 105. Allerdings kommen auch noch rund 90 sogenannte Vesperkinder, denen die Eltern eine Brotbox mitgeben, in die Mensen. Die kleinste Schule in Sachen Betreuung ist die Grundschule Leupolz, die größte die Berger-Höhe-Grundschule (BHS).
Auslauf rund um die Schule
Es ist also gut was los, wenn die Schule mittags endet. Zum Beispiel in der GMS, bei der allein rund 100 Kinder in der Betreuung angemeldet sind. „Wir haben Glück, denn wir haben einen schönen Schulhof, den Sportplatz hinter dem Gebäude und einen tollen Spielplatz vor dem Haus“, sagt Brigitte Martello, die seit 26 Jahren an der GMS arbeitet. Sie erinnert sich gut an die Anfänge: Damals konnten die Kinder von 7.30 bis 8.30 Uhr in die Betreuung gehen und dann noch einmal von 11 bis 13 Uhr und an vier Tagen von 12 bis 13 Uhr.
Heute sieht es anders aus: An der GMS können die Kinder von 7 bis 8.30 Uhr gebracht werden, von Montag bis Donnerstag ist eine Betreuung bis 16 Uhr möglich, am Freitag bis 15 Uhr. In einem Stillarbeitsraum können die Grundschüler während der Betreuung ihre Hausaufgaben machen. Die insgesamt vier Betreuerinnen erleben die Kinder in ihrer ganzen Vielfalt: „Manche kommen morgens schon voller Energie, andere brauchen noch ein bisschen Ruhe und legen sich ins Zelt“, sagt Hülya Solak. Sie mag ihre Arbeit, in die sie vor Jahren durch die eigenen, der Schule inzwischen längst entwachsenen Kinder hineinkam. „Ich mache es gern. Man muss einfach die Kinder mögen“, ergänzt sie.
Kinder machen auch mal persönliche Komplimente
Auch die Mensa-Mitarbeiterinnen können von der Unterschiedlichkeit ihrer Gäste berichten. Beispielsweise Gisela Ahr, die mit 74 Jahren immer noch sehr gern allein an drei Tagen pro Woche, im Wechsel mit einer Kollegin in Niederwangen Essen ausgibt. Sie mag „ihre“ Kinder und wie es aussieht, mögen die Kinder auch sie. So erzählt sie von einem Buben, der ihr ein Kompliment machte – ganz auf seine Art: „Sie haben aber schöne blaue Augen. Das sieht man ganz selten bei einer alten Frau, wie du eine bist!“, erzählt Gisela Ahr und lacht übers ganze Gesicht. Aber es gibt auch die traurigen Geschichten, zum Beispiel von einem Buben in der ersten Klasse, der über dem Essen fast einschlief. Gisela Ahr setzte sich neben ihn und fragte ihn, ob sie ihn füttern sollte. „Er wäre sonst mit leerem Magen am Nachmittag in den Unterricht gegangen“, sagt sie.
Ein Auge auch auf Schlitzohren
Alle Frauen sind sensibel für Auffälligkeiten und suchen dann gegebenenfalls den Kontakt mit der Sozialarbeit an der Schule. Dass es überall Lausbuben und Lausmädchen gibt, berichten die Frauen einstimmig. „Es kommt schon vor, dass sich jemand hineinschmuggeln möchte, obwohl er oder sie kein Essen gebucht hat“, sagt Tanja Reichmann, die gemeinsam mit Elisabeth Sprenger für die Essensausgabe in der GMS sorgt. Und dann schauen die Mitarbeiterinnen auch immer mal, was an den Tischen passiert. „Ich frage nach, was sie denn von daheim mitgebracht haben. Da kommt man dann gut ins Gespräch“, erzählt Tanja Reichmann. Und was passiert, wenn sich beim Essen jemand danebenbenimmt? Auch dafür hat Tanja Reichmann ein einfaches Rezept: „Ich sage immer: ‚Dann putzt du hinterher die Tische ab‘ – das wirkt meistens!“ Auch Gisela Ahr hat schnell gelernt, wie sie mit Schülerinnen und Schülern umgehen muss, die sich nicht einordnen wollen. „Die Lehrer haben mir gesagt: ‚Du musst ihnen eine Aufgabe geben!‘ – und genauso habe ich es gemacht“, erzählt sie. Oftmals wirkte schon ihre natürliche Autorität. Ihr Rezept: „Dann lege ich den Arm um die Schultern und sage ganz ruhig: ‚Du, mein Freund, jetzt ist dann gut!‘“
Die Arbeit beginnt in der Mensa schon gegen 9.15 Uhr. Die Wärmebehälter, in die die Essensbehälter später eingehängt werden, müssen geheizt werden. Die Spülmaschine wird ausgeräumt. Dann liefert Schattmaier Gastronomie die Mahlzeiten an.
Berger-Höhe-Schule mit den meisten Kindern
Das ist auch in der Berger-Höhe-Grundschule auf den ersten Blick nicht viel anders. Auf den zweiten Blick unterscheidet sich die Situation schon allein durch die Vielzahl der zu betreuenden Kinder. Mehr als 130 Schülerinnen und Schüler sind für die Betreuung angemeldet, wenn auch nicht alle zur selben Zeit da sind. Darunter sind auch Kinder aus der Grundschulförderklasse und der Internationalen Förderklasse. Montags kommen allein am Mittag mehr als 120 Kinder. „Vor sieben Jahren, als ich an der BHS anfing, waren es 60 Kinder“, sagt Heidi Hartmann und fügt an: „Wir sind immer noch in den gleichen Räumen.“
Schulräume werden mitbenutzt
Das heißt, das siebenköpfige Team der Betreuungskräfte und der beiden Hauswirtschaftskräfte muss an so einem Montag in Absprache mit den Lehrkräften improvisieren. Da sind dann verschiedene Schulräume im Haus mitgenutzt. Der Raum für Bildende Kunst dient ohnehin regelmäßig für die Essensausgabe am Mittag. Sehr glücklich ist Heidi Hartmann deshalb über die beiden Räume, die in den Umkleiden des ansonsten baufälligen Lehrschwimmbeckens hergerichtet wurden. Der eine dient als Bastelraum und wird meist von Mädchen bevölkert. Im anderen steht ein Kicker, an dem sich die größeren Buben gern messen. Ausfallen darf an so einem Montag eigentlich keine Betreuungskraft. Wenn es doch so ist, springt auch mal Silvia Falch ein, die nicht nur eine Verwaltungsausbildung, sondern auch eine Qualifikation in Montessori-Pädagogik hat.
Immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Kinder
Wie ihre Kolleginnen berichtet auch Heidi Hartmann, dass die Betreuung der Kinder weit mehr ist, als sie sinnvoll zu beschäftigen. „Manche kommen montags und erzählen direkt vom Wochenende. Manche teilen mit uns ihre Sorgen und wieder andere beschäftigen die schlechten Noten“, erzählt sie. Diese Nähe zu den Kindern ist es auch, was sie und ihre Kolleginnen immer noch mit Begeisterung im Job hält. „Wir machen es alle von Herzen und kommen gerne!“