Einen Vortrag zur politischen Situation in unserem Nachbarland Frankreich hält Bürgermeister a. D. Alfred Endres am Donnerstag, 27. April 2023, um 19.30 Uhr im Weberzunfthaus. Der Eintritt ist frei.
„Revolution“ heißt das Buch, das Macron noch als Kandidat 2016 vorlegte. Nun sitzt er, deutlich geschwächt, seit April 2022 erneut im Elysee-Palast. Der Präsident hat bei der ersten Wahl 2017 sowohl die Konservativen zerrieben als auch die bisher regierenden Sozialisten deklassiert. Mit seiner neuen Bewegung „La Republique En Marche“ (LREM) gab es im Palais Bourbon keine wirksame Opposition mehr. Er musste die Macht der Straße fürchten, welche die „Gilets jaunes“ (Gelbwesten) 2018 quer durch den unteren Mittelstand und die in Frankreich besonders radikalen Gewerkschaften monatelang organisiert haben.
Der 44-jährige schaffte als erster Präsident seit 20 Jahren nach Jaques Chirac die Wiederwahl. Aber kann Europa nun aufatmen? Das Schreckensszenario eines Votums für Marine Le Pen ist nicht eingetreten. Macron gewann die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung. Ein Sieg, der ihm die nötige Legitimität verleiht. Aber die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung hat er gegen das Bündnis des 71-jährigen Linkspopulisten Jean-Luc Melenchon verloren.
Immerhin bleibt der Grande Nation (Goethe) das offen rassistische Programm Le Pens erspart. Und die EU muss nicht fürchten, dass die 53-jährige zusammen mit Ungarns Viktor Orban die Gemeinschaft auseinandersprengt. Aber noch nie bekam die äußerste Rechte mit 13 Millionen so viele Stimmen. Le Pens gefährliche Ideen sind im Hexagon in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Frankreichs Jugend ist erschreckend bereit, rechts- oder linksradikal zu wählen. Es gärt bedenklich in unserem Nachbarland.
Die Trennlinien verlaufen zwischen Stadt und Land, Arm und Reich, Jung und Alt. Macron wird viel Arbeit damit haben, die immensen Risse zu kitten. Er muss seinen Führungsstil ändern und vom Olymp herabsteigen. Mit der neuen Premierministerin Elisabeth Borne will der sein Versprechen einer „ökologischen Planwirtschaft“ erfüllen. Es ist Macrons Wink nach links. Der Auftrag dieser früheren Sozialdemokratin lautet, alle Regierungsentscheidungen dem Kampf gegen den Klimawandel unterzuordnen. Sie hat sich als Verkehrsministerin wie an der Spitze des Arbeitsministeriums bewährt. Sie ist erst die zweite Frau in dieser Spitzenposition. Ihre Vorgängerin Edith Cresson schaffte 1991 nur elf Monate im Amt.
Der „Monarch“ Macron will Europa energisch voranbringen und dessen Rolle stärken. „Wenn Europa sich nicht als Weltmacht begreift, wird es verschwinden.“ Er hat in den entscheidenden Augenblicken seiner Karriere stets nach Charles de Gaulle Maxime gehandelt: „N’ecoutez que vous-meme – Hören Sie nur auf sich selbst“ und auf seine charmante, 24 Jahre ältere Gattin Brigitte.
Alfred Endres, Jahrgang 1941, 16 Jahre Bürgermeister von Kißlegg im Allgäu und Begründer der Städtepartnerschaft mit Le Pouliguen (Loure Atlantique), wird verdeutlichen, dass die beiden Kernländer unseres Kontinents unverzichtbare Partner sind. Dass kein Weg an gemeinsamen Anstrengungen zur nachhaltigen Erneuerung Europas vorbeiführen kann. Für viele Franzosen ist der Bezugspunkt einfach immer Deutschland, dessen Hegemonie sie bewundern und gleichzeitig ablehnen. Vorbild und Feindbild in einem?
Dennoch keine schlechten Voraussetzungen für unsere Freundschaft mit jenem faszinierenden 67-Millionen-Volk des Hexagons, diesem auf die Erde gefallenen Stück Himmel, „ce bout de ciel tombe sur la terre“, so der begeisterte Referent. Freuen Sie sich auf seinen Vortrag, seine „conference“!