Im zwölften Theatersommer ist das bestimmende und verbindende Thema die Wahrheit. So zeigt sich im Abendstück von Florian Zeller „Die Wahrheit“, dass objektive Wahrheit und die subjektive Wahrnehmung davon nicht immer eins sein müssen. Um Wahrheit und Aufrichtigkeit geht es auch im Familienstück „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde.
Die Festspiele Wangen suchen für diesen Sommer wieder Quartiere auf Zeit für die Schauspieler und das Team hinter der Bühne.
Als "Ein Spiel von Lüge und Wahrheit" könnte man Zellers Stück "Die Wahrheit" bezeichnen. Für seinen verheirateten Protagonisten ist Wahrheit etwas mehr als Zweifelhaftes. Deshalb bevorzugt er die Lüge, denn sie sei eine Tugend, weil sie es erlaubt, das Leiden zu vermeiden, "Wenn die Leute von heute auf morgen aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und in gewisser
Hinsicht wäre das das Ende der Zivilisation" ist sein Credo. Und er hat in der Tat allen Grund, die Wahrheit zu meiden, hat er doch seit sechs Monaten ein Verhältnis mit Alice, der Ehefrau seines besten Freundes Paul. Doch die bekommt zusehends Schuldgefühle, nicht nur ihrem Mann gegenüber, sondern auch gegenüber Michels Ehefrau Laurence. Das ständige Versteckspiel, die immer neuen Lügen belasten ihr Gewissen und sie will endlich reinen Tisch machen. Michel ist damit gar nicht einverstanden: "Du belügst ihn nicht, Alice. Du sagst ihn nur nicht die Wahrheit. Es wäre egoistisch, ihm die Wahrheit zu sagen, nur um dein Gewissen zu erleichtern", argumentiert er.
Hat er sie damit überzeugt? Und wie steht es mit Laurence? Unvermittelt wird der Lügner von seinen eigenen Lügen eingeholt und schon weiß er nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Er, der bis dahin fest davon überzeugt war, sein verzwicktes Liebesleben im Griff zu haben, wird zum Spielball der anderen und die Wahrheiten, die ihm jetzt um den Kopf fliegen, entziehen dem charmanten betrogenen Betrüger den Boden unter den Füßen. „Eine hinreißende, höchst raffiniert geschriebene Komödie mit einem geschliffenen, pointierten Dialog. Bewundernswert, wie dramaturgisch durchtrieben Zeller mit immer
neuen und überraschenden Wendungen und Volten die Handlung vorantreibt“, sagte der Künstlerische Leiter Peter Raffalt. Immer wenn man glaubt, die Wahrheit zu wissen, wird sie unvermittelt wieder auf den Kopf gestellt, so dass man bis zum überraschenden Schluss in Atem gehalten wird.
Zum Familienstück, Otfried Preußlers „Der Räuber Hotzenplotz“ muss kaum etwas gesagt werden. Der Kinderbuchklassiker fehlt in kaum einem Kinderzimmer. Die Geschichte beginnt mit dem Diebstahl von Großmutters Kaffeemühle, die ihre der Kasperl und der Seppl geschenkt haben. Beide versuchen die Mühle und den Dieb zu finden und geraten dabei in die Fänge des Zauberers Petrosilius Zwackelmann. Auch
hier gibt es Verwechslungen und immer wieder neue Wendungen, bis am Ende das Gute, die Wahrheit siegt.
Eine sehr große Herausforderung ist für den Verein, der hinter den Festspielen im Zunftwinkel steht, in diesem Jahr die Quartierssuche für das Team. „Wir sind sehr froh, dass wir eine Reihe von Freunden haben, die schon lange Mitwirkende der Festspiele bei sich aufnehmen. Dennoch müssen wir auch in diesem Jahr wieder an die Theaterfreunde in Wangen appellieren: Bitte überlegen Sie, ob Sie jemandem für die
knapp drei Monate ein Zimmer, eine Wohnung oder eine Ferienwohnung vermieten wollen. Die Miete übernimmt der Verein“, sagen die Vorstände Manfred Wolfrum und Christoph Morlok.
Info: Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an Christoph Morlok, Telefon 01727614988 (ch.morlok@festspiele-wangen.de)
Karten gibt es ab Anfang April. Die PResmieren sind am 26. Juli 2023 (Abendstück) und 29. Juli 2023 (Familienstück)