Die Stadt Wangen verzeichnet einen Zugang an Geflüchteten, wie sie ihn selten oder noch nie hatte. Allein bis 30. Juni 2024, so die Prognose des Landkreises Ravensburg, muss die Stadt weitere 216 Personen aufnehmen. Derzeit sind jedoch nur noch 51 Plätze vorhanden, wie der Leiter des Ordnungs- und Sozialamts, Nicolai Müller, vor dem Gemeinderat berichtete.
Die Zahlen steigen rasant an. „Deshalb werden wir nicht umhinkommen, noch einmal zu prüfen, ob die Stadthalle als Unterkunft in Frage kommt“, sagte Oberbürgermeister Michael Lang. Allein in der ersten Oktoberwoche wurden 30 Personen aus der Ukraine in Wangen aufgenommen. Sie kamen in der soeben fertiggestellten Containeranlage beim Wertstoffhof unter. Insgesamt können in den beiden Anlagen dort 80 Personen untergebracht werden. Das heißt es besteht dann noch eine Differenz von 85 Personen bzw. Plätzen. Aktuell wandern wieder viele Menschen aus der Ukraine zu, die ganz offensichtlich den harten Winter im Krieg fürchten. Aus anderen Nationen kommen hauptsächlich männliche Einzelpersonen.
Um den Bedarf der kommenden Monate in der Anschlussunterbringung zu decken, wird die Stadt selber bauen müssen, hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Geplant ist, zwischen Züblinhaus und Feuerwehrhaus am Südring in Holzbauweise eine Unterkunft für 40 bis 60 Personen zu errichten. Damit sollen Hallenbelegungen und Leichtbauhallen vermieden werden. Für die Finanzierung des Neubaus sind im Haushaltsplan für 2024 und 2025 jeweils 1,25 Millionen Euro vorgesehen. Es ist davon auszugehen, dass die Vorhaben gefördert werden. Die Stadtverwaltung hofft auf einen Zuschuss in Höhe von ca. 300.000 Euro für die gesamte Maßnahme.
Die Lage wird nicht nur wegen der Zuwanderung insgesamt immer schwieriger. Immer wieder können nicht alle Plätze belegt werden, weil die Konstellationen nicht passen. Beispiel: Ein Zimmer ist für vier Personen ausgelegt, aufgenommen werden muss aktuell aber eine Familie mit drei Familienmitgliedern. Zimmer für drei Personen sind nicht mehr verfügbar. Entsprechend geht in einer solchen Konstellation ein Platz verloren.
Ebenso ist festzustellen, dass immer mehr Geflüchtete sowie Obdachlose psychische Erkrankungen aufweisen, die es teilweise erforderlich machen, dass ein Zimmer nur mit einer Person belegt werden kann.
Zu der Aufnahmepflicht von 216 Personen gegenüber dem Landkreis bis Mitte 2024 kommen regelmäßig obdachlos werdende Personen, die ebenfalls in diesen Unterkünften unterkommen. Rechnerisch handelt es sich daher um eine Differenz von 165 Personen, addiert mit der unbekannten Zahl in Sachen Obdachlosigkeit. Diese unbekannte Zahl ist laut Ordnungs- und Sozialamtsleiter Nicolai Müller ebenfalls immer schwieriger zu prognostizieren. Zunehmend verlieren Menschen ihre Wohnung, weil sie die hohen Energiepreise nicht mehr bezahlen können.
Oberbürgermeister Michael lang lobte die vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Landkreis und den anderen Kommunen. Er dankte auch den privaten Wohnungsgebern, die für ukrainische Flüchtlinge Wohnraum zur Verfügung stellten. Gleichzeitig verband er damit die bitte zusehen, ob es weitere Möglichkeiten gibt, Menschen privat unterzubringen. Schließlich dankte er den seit Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Engagierten, dem Team um Nicolai Müller für die umsichtige Arbeit und den Wangenerinnen und Wangenern für ihre "Gelassenheit". An die große Politik richtete er die Bitte, die Kommunen bei diesem Thema nicht allein zu lassen. „Es ist die zentrale Aufgabe unserer Zeit“, sagte er.