Bürgerversammlung nimmt den Aussichtsturm in den Blick

Turm

Professor Achim Menges stellt das Turmprojekt vor.

Zuhörer im Baumwolllager

Erste Veranstaltung im Baumwolllager: Einwohnerversammlung zur Landesgartenschau am 1. Juni 2022.

Mehr als 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren bei der ersten offiziellen Veranstaltung im Baumwolllager in der ERBA, um sich über aktuelle Themen der Landesgartenschau zu informieren. Ein herausragendes Thema war der geplante Aussichtsturm.

Oberbürgermeister Michael Lang gab einen Überblick über die vielen Baustellen, für die er sich auch entschuldigte. Sie alle dienen dem Umbau der Argen und den neuen Anlagen im Stadtbild, die künftig die Altstadt mit dem neuen Stadtteil ERBA / Auwiesen verbinden werden. Er kündigte an, im Juli werde der Lückenschluss der Argen auf der Argenwiese vollzogen. Bereits im Juni – nach Ende der Fischschonzeit – beginnen auch die Arbeiten in der Argen. Sie sollen den Fluss für die Fische und andere Organismen vom Bodensee in Richtung Quelle durchgängig machen.  

Die Zukunft im Blick

Bei allen Maßnahmen spielten die Gedanken eine Rolle, was nach der Landesgartenschau aus den neugeschaffenen Anlagen und Flächen werde. Der Stadtgarten – da ist sich OB Lang sicher – werde von den Bewohnerinnen und Bewohnern in der Nachbarschaft ebenso genutzt wie von der Altstadt. Auch der Gehrenberg werde von den Sportlern genutzt. Die Gärten zwischen Bahnbrücke und Rohrbrücke in die Auwiesen bleiben in veränderter Form erhalten. Der neu angelegte Radweg bringe Radfahrerinnen und Radfahrer über fünf neue Brücken in die Stadt. 

Das Comptoirgebäude werde über die Landesgartenschau im Sommer 2024 von der Stadt als Treffpunkt genutzt.  Für die gastfreundlichen Vereine im Lindenhof, die vor allem wochenends gern Kaffee servieren, warb OB Lang. Das Pförtnergebäude oder auch Baumwolllager wird mit während der Landesgartenschau 2024 die Blumenschauen beherbergen. Wie das Gebäude am Ende heißen wird, ist noch nicht entschieden. Gute Ideen werden von der Stadt oder der Landesgartenschau GmbH gerne entgegengenommen.

Verschiedene Projekte starten im Herbst

Im Herbst wird die Halle für die Reiter am neuen Platz Richtung Lottenmühle entstehen. Ebenfalls im Herbst ist der Baubeginn für den neuen Kindergarten in den Auwiesen geplant. Ein wertvolles Angebot  - auch als Frequenzbringer für die Innenstadt – macht jetzt der frisch eröffnete Wohnmobilstellplatz. Obwohl noch keine Werbung für ihn gemacht wurde, ist er schon gut gefüllt, berichtete OB Lang.

Der Wohnungsbau in den Auwiesen geht sichtbar voran. Die Neue Spinnerei ist zu großen Teilen bereits bezogen. In der Alten Spinnerei laufen die Arbeiten für den Umbau zu Wohnungen und Gewerbe auf zwei Etagen. Dort wird SET einziehen, ein Wangener Unternehmen, das sich mit Halbleiterproduktion und Prüfständen für Flugzeugcockpits befasst. Die Carderie wird bis auf wenige Teile neu gebaut. Es ist dann als einziges Gebäude in der ERBA nicht an die Nahwärme angeschlossen, sondern verwirklicht ein Geothermieprojekt. Der Kanal wird saniert. AVL SET ist jetzt in den Neubau am Ort der früheren Weberei eingezogen.  
Auch alle anderen Gebäude in der ERBA sind entweder bereits bezogen, in der Entstehung oder noch in Planung und sollen noch in diesem Jahr begonnen werden. Das Hotel in der ERBA soll im September eröffnen. 

Dank für die Geduld mit den Baustellen

Dank sprach OB Lang allen Bürgerinnen und Bürgern aus, die in diesen Zeiten mit den Baustellen zu kämpfen haben. Die Kreissporthalle wird demnächst begonnen, der Festplatz ist mitten in der Umgestaltung. Und auch die Klosterbergstraße und der Kreisverkehr am Martinstor sorgen noch für Unbill, werden aber im Sommer fertig. Nicht mit der Landesgartenschau zu tun hat die derzeit halbseitige Sperrung der Gallusbrücke, wie OB Lang erläuterte. Sie war so nicht geplant, musste aber durch das Land vorgezogen werden.

Alles rund um den Aussichtsturm

Schließlich ging OB Lang auf verschiedenen Aspekte rund um den geplanten Aussichtsturm ein. Bereits 2010 wurde im Zusammenhang mit der Bewerbung zur Landesgartenschau ein Turm im Modell gezeigt. 2018 befassten sich Studierende mit dem Thema und entwarfen Türme für die Gegend oberhalb der Argenwiese. „Aussichtstürme haben eine besondere Anziehungskraft“, sagte OB Lang und verwiese auf eine ganze Reihe von Türmen, die im Zusammenhang mit Landesgartenschauen entstanden sind. Auch auf dem schwarzen Grat steht ein Turm, der den Blick in die Landschaft ermöglicht. 

Von Kosten und Innovation

Wenn gesagt werde, man solle lieber ein Hallenbad statt eines Turmes bauen, seien die Kosten nicht im Blick. Ein Hallenbad sei sicher ein berechtigtes Anliegen, doch die Unterhaltskosten lägen zwischen 0,5 und einer Million Euro. Der Turm verursache im Vergleich kaum Kosten. Die Baukosten von 1,7 Millionen Euro machen 1,9 Prozent der Investitionen der Stadt zur Landesgartenschau aus. Von diesen 1,7 Millionen Euro trägt das Land 65 Prozent, so dass bei der Stadt rund 600 000 Euro bleiben.

OB Lang erinnerte daran, dass bis vor einigen Jahren selbstverständlich bei großen Baustellen Kunst am Bau verwirklicht wurde.  Ähnlich könne man den Aussichtsturm betrachten. Er sei ein innovativer Faktor für das Areal.

Attraktion und Innovation

Professor Achim Menges stellte dann die technische Seite des Projekts vor. Es sei wichtig zu verstehen, dass der Turm ein Beitrag zur Attraktion aber auch zur Innovation sei. Die Attraktion bestehe in der Weitsicht ins Land. Es handle sich um eine ausdrucksstarke aber bescheidene Architektur, weil sie wenig Rohstoffe verbrauche.  Er zeige auch die Weitsicht der Stadt, weil sich Bauen verändern müsse. Der Turm sei Ausdruck einer nachhaltigen Baukultur, weil die Rohstoffe aus der Region kommen, in der Region verarbeitet werden und CO2 binden. So sei der Turm ein filigranes Treppenhaus oder auch ein „Lehrpfad für andersartiges Bauen“. Viele weitere Aspekte zu dem Turm finden Sie im Interview mit Professor Menges.

Fragen zum Turm

In der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern gab es viel Lob für das Projekt. Einer der Beteiligten zeigte sich fasziniert von dem Projekt, mahnte aber, es nicht auf dem Hügel, sondern auf der Argenwiese zu verwirklichen. Aber es gab auch absoluten Zuspruch von einer Frau, die den Turm eine super Idee nannte und der Hoffnung Ausdruck gab, dass die Bürgerschaft von dem Projekt überzeugt werden kann. Gefragt wurde auch: Was, wenn dort wilde Partys stattfinden? Und muss jede Landesgartenschaustadt eine besondere Attraktion bieten – und das in diesen unsicheren Zeiten, wurde gefragt? 

Antworten zu Bürgerfragen

OB Lang ging auf die Argumente ein: Man werde nicht auf den höchsten Punkt gehen und auch eine Sichtbeziehung zum ERBA-Areal herstellen. Rund um den Turm soll im Sommer 2024 auf den städtischen Flächen das Thema Landwirtschaft mit unterschiedlichen Facetten gezeigt werden. Ein Ziel des Turms sei auch, die Frequenz in dem Park bei der ERBA nach der Gartenschau zu sichern. Die Gastronomie im neuen Stadtteil könne auf diese Art und Weise unterstützt werden. Je besser wir die Frequenz sichern, desto weniger groß sollte das Problem des Vandalismus und der Vermüllung sein. Wenn nur 30 000 Menschen kommen, um sich den umstrittenen Turm anzuschauen, dann sei der städtische Anteil schon bezahlt. Und später werde der kostenfrei nutzbare Aussichtsturm Menschen anziehen – auch Touristen in der Region. Auch und gerade in unsicheren Zeiten sollte man Dinge planen, die machbar sind, sagte OB Lang. 


Die Ausstellung im Sommer 2024

Edith Heppeler ging auf die Ausstellung ein, bei der sich alle Vereine Verbände und Institutionen präsentieren sollen. Große Ereignisse werden ebenso Teil der Veranstaltung sein wie viele kleinere Beiträge aus der Raumschaft, die alle den Charme der Landesgartenschau als Wangener Schau ausmachen werden. Mehr zu diesen Themen finden Sie hier